tim cole: hinter dem bildschirm: leben, lieben und sterben im zeitalter des internets

Tim Cole

„können sie mir mal eben das internet ausdrucken?“

so beginnt ein alter gag über menschen, für die das internet „neuland“ ist; ein scherz der gute chancen hat schon bald zu seinem fünfzigsten geburtstag eine ehrenurkunde zu erhalten. dass nun ausgerechnet mein alter freund, der internet-recke tim cole, tatsächlich die chuzpe besitzt, einen teil des internet zu drucken und dann auch noch zu „verlegen“, überrascht. wie kann man bloß auf die wahnwitzige idee kommen, seine eigenen alten blog-beiträge zum buch zu binden?

keine ahnung, aber es war nicht nur eine dreiste, sondern eine überraschend gute idee. denn dieses buch liest sich äußert angenehm. es ist ein buch für den gabentisch und das nachttischchen. jeden abend eines der kurzen artikelchen lesen und du schläfst mit einem breiten lächeln im gesicht ein. dies liegt natürlich am freundlichen schreibstil einer gelernten „edelfeder“, der vom feinschmecker über den playboy bis zum czyslansky-blog schon überall seine literarischen spuren hinterlassen durfte. so rauscht man von nachdenklichen beiträgen über eine todeserfahrung am flughafen-counter über die vergnügliche empörung klingelnder mobiltelefone während eines konzerts des new york philharmonic orchesters zu ernsthaften sorgen über politik, zensur und menschenwürde. „leben, lieben und sterben im zeitalter des internets“ lautet zu recht der untertitel des buches. tim cole ist ein wunderliches und wunderbares lesebuch gelungen: zum verschenken und zum selberlesen, für web-junkies und menschen, denen das internet noch neuland ist und bleiben soll. denn um das internet geht es in diesem buch kaum. es geht um leben und tod.

das bild zeigt übrigens den autor tim cole, wie ihn nur wenige kennen: in lederhose. es entstand in seinem österreichischem rückzugsort. ich durfte ihn dort vor einiger zeit besuchen.

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